Thomas Schlup: „Der Riesenschirmling“

von Thomas Schlup Thomas Schlup schloss an der F+F in Bildender Kunst ab und studiert nun im Master Kulturpublizistik der ZHdK; er zügelte vom Dittinghaus ins Toni, wohnt aber weiterhin im Wägital. Hantiert gern mit Kameras und Teekrügen und zittert jeden Winter mit dem HC Ambri-Piotta. gepostet am 08. November 2014

Der Riesenschirmling, auch «Parasol» genannt, ist ein Vertreter der Gattung Macrolepiota. Kennzeichen dieses ausgeprägten und meist in Gruppen vorkommenden Kulturfolgers sind bunt gefärbte, oft mit kontrastierenden Abzeichen versehene Schirme. Sie können einfarbig oder gemustert sein. Die Grösse variiert; kleinere Vertreter haben einen Durchmesser von lediglich etwa einem Meter; einzelne Stücke erreichen aber ein Vielfaches davon. Meistens beträgt der Durchmesser des Schirms etwa 2-3m. Der Stiel ist weiss, starr und weist einen verschiebbaren Ring auf, an dem gern Finger eingeklemmt werden. Der Schirm wird durch filigrane Streben aufgespannt. Der R. steht er nicht von selbst, sondern benötigt eine künstliche Verankerung und kann auch nicht ohne Hilfe des Menschen seinen Platz wechseln oder sich vor Regen in Sicherheit bringen. Er ist anfällig auf Wind – Böen mag er gar nicht – und klappt unter widrigen Verhältnissen zusammen oder fällt um. Die Segel- und Flugeigenschaften sind nicht ausgeprägt; Stürze aus erhöhten Standorten enden oft auf dem Kopf, mit Schaden an Schirm und Stiel. Ein R. kann bei guter Pflege und gutem Standort ein hohes Alter erreichen, sofern nicht ein penibler Beamter ihm seiner lebensbejahenden Buntheit wegen den Garaus macht. Ein entfernter Verwandter ist der Taschenschirmling (Gattung Lepiota), der von Menschen herumgetragen und nach Gebrauch oft irgendwo stehen oder liegen gelassen wird, so dass er wesentlich mobiler ist als seine grossen Brüder. –

Die Abbildung zeigt einen blau-weiss gesprenkelten Riesenschirmling mit rot-weissem Abzeichen, der nach einem Flug von einem Balkon weich in der Böschung eines Kraftwerkkanals gelandet ist.

Quellen zum Text:

© Bild & Text Thomas Schlup