Dada Afrika

Die Zollfreilager-Spezialausgabe Dada Afrika begleitet die gleichnamige Ausstellung im Museum Rietberg (18. März bis 17. Juli 2016), die den aussereuropäischen Einflüssen auf die KünstlerInnen der Dada-Bewegungen gewidmet ist. Der Fokus von Zollfreilager ist ein erweiterter. Er untersucht zum einen europäisch geprägte Avant-Garde-Strömungen und die darin auftretenden Spielformen des Primitivismus, zum anderen blickt er auf nicht-europäische Modernen und deren Verhältnis zu Dada bis heute. Durch Probebohrungen auch experimentell-poetischer Art wird herausgestellt, wie und wo sich die global gewordene «reflexive Moderne» zeigt. Dada Afrika ist Teil eines grösseren Recherche- und Lehrprojekts der Plattform Kulturpublizistik. Die zugehörige, von der Ausstellung im Museum Rietberg unabhängige, Publikation erscheint im Oktober im Verlag Diaphanes.

Die Zollfreilager-Spezialausgabe Dada Afrika begleitet die gleichnamige Ausstellung im Museum Rietberg (18. März bis 17. Juli 2016), die den aussereuropäischen Einflüssen auf die KünstlerInnen der Dada-Bewegungen gewidmet ist. Der Fokus von Zollfreilager ist ein erweiterter. Er untersucht zum einen europäisch geprägte Avant-Garde-Strömungen und die darin auftretenden Spielformen des Primitivismus, zum anderen blickt er auf nicht-europäische Modernen und deren Verhältnis zu Dada bis heute. Durch Probebohrungen auch experimentell-poetischer Art wird herausgestellt, wie und wo sich die global gewordene «reflexive Moderne» zeigt. Dada Afrika ist Teil eines grösseren Recherche- und Lehrprojekts der Plattform Kulturpublizistik. Die zugehörige, von der Ausstellung im Museum Rietberg unabhängige, Publikation erscheint im Oktober im Verlag Diaphanes.

Afrika Dada

Staatstrauer mit Maus

von Shirin Disler Abouzaid Shirin Disler Abouzaid, *1980, studierte bildende Kunst in Basel und Bern. Seit 2014 Studium der Kulturpublizistik an der ZHdK. gepostet am 05. August 2014

Schon lange her.

Eine Zaubermütze, die Musik war gut, ich noch ziemlich grün hinter den Ohren. Ich unterhalte. Kinder und Onkel. Ein Comic, eine Ikone. Unschuld, powerful. Stellvertreter für lachende Gesichter. Happy und schlau, meistens. Die Hosen bleiben rot, mal kürzer, mal länger. Ethik und Moral, Zeigefinger, verpackt in Verbrecherjagden, üble Schurken bringe ich in Mengen hinter Gitter, Happy End.  Superfamous, aber kein Ruhestand in Sicht, the show must go on, meine Abenteuer flimmern im weltweiten Netz. Nicht, dass ich mich über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen könnte, aber meine Präsenz war schon dringlicher. 

Ich habe mich nicht selbst definiert, ich wurde konstruiert, zuerst amerikanisch, dann universell. 

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich eine Wichtigkeit hatte, weniger als Teil einer Industrie, eines Konzerns, nicht nur als Comic, auf Papier, auf Leinwand, aber als Symbol. Stellvertretend. Ich war Symbol eines aufgeschlossenen, fortschrittlichen Westens, gleich wie Coca Cola oder ein Citroën DS. Man konnte mich lesen und man konnte mich lesen. Als Comic, als Teil einer Gesellschaft und als Sinnbild ihrer Möglichkeiten.

Wie ging das nochmals? Meine Anteilnahme im Herbst 1970: Engagiert von einem arabischen Verleger. Etwas abseits von meinem normalen Unterhaltungsprogramm. Eine Nation im Norden Afrikas, Entwicklungshilfe durch die UdSSR. Besetzt vom britischen Königreich. Symbol für Grösse und für Rückständigkeit. Ägypten. Auf dem Cover des arabischen Mickey Magazins trauere ich um Gamal Abdel Nasser. Ich die amerikanische Ikone, weine um den Tod eines ägyptischen Staatsoberhauptes. Ein arabischer Verleger macht mich kritisch, politisch, holt mich von meiner Bühne, macht mich zum Mitspieler, macht mich arabisch. Suezkrise, arabischer Nationalismus, eine ganze politische Karriere, alles in meinem Gesichtsausdruck. Ich stehe für Wachstum, Fortschritt, Freiheit, Unabhängigkeit, Wachstum und Kultur, bewunderter Westen. Clever. Um klar zu sein, ich bin nicht mehr Mickey. Natürlich, fungiere ich weiterhin als Entertainer, auch für die arabische Kinderwelt, doch hier spiele ich eine andere Rolle. Meine Anteilnahme lässt mich Araber werden. Ein Ägypten weint mit einer Ikone um die andere. Mit einem westlichen Symbol, welches für bewunderte Ideale steht. Man will sich messen können, nicht rückständig sein. Nasser stand für einen Versuch, eine Moderne mit einer ägyptischen Identität zu schaffen, deshalb wohl auch mein Engagement in jenem Herbst. Die Nation bekommt Aufmerksamkeit. Im Herbst, im Frühling. Den Alltag, man sieht ihn in der Bevölkerung. Der Weg in die Moderne geschieht abseits vom Scheinwerferlicht.

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