Dada Afrika

Die Zollfreilager-Spezialausgabe Dada Afrika begleitet die gleichnamige Ausstellung im Museum Rietberg (18. März bis 17. Juli 2016), die den aussereuropäischen Einflüssen auf die KünstlerInnen der Dada-Bewegungen gewidmet ist. Der Fokus von Zollfreilager ist ein erweiterter. Er untersucht zum einen europäisch geprägte Avant-Garde-Strömungen und die darin auftretenden Spielformen des Primitivismus, zum anderen blickt er auf nicht-europäische Modernen und deren Verhältnis zu Dada bis heute. Durch Probebohrungen auch experimentell-poetischer Art wird herausgestellt, wie und wo sich die global gewordene «reflexive Moderne» zeigt. Dada Afrika ist Teil eines grösseren Recherche- und Lehrprojekts der Plattform Kulturpublizistik. Die zugehörige, von der Ausstellung im Museum Rietberg unabhängige, Publikation erscheint im Oktober im Verlag Diaphanes.

Die Zollfreilager-Spezialausgabe Dada Afrika begleitet die gleichnamige Ausstellung im Museum Rietberg (18. März bis 17. Juli 2016), die den aussereuropäischen Einflüssen auf die KünstlerInnen der Dada-Bewegungen gewidmet ist. Der Fokus von Zollfreilager ist ein erweiterter. Er untersucht zum einen europäisch geprägte Avant-Garde-Strömungen und die darin auftretenden Spielformen des Primitivismus, zum anderen blickt er auf nicht-europäische Modernen und deren Verhältnis zu Dada bis heute. Durch Probebohrungen auch experimentell-poetischer Art wird herausgestellt, wie und wo sich die global gewordene «reflexive Moderne» zeigt. Dada Afrika ist Teil eines grösseren Recherche- und Lehrprojekts der Plattform Kulturpublizistik. Die zugehörige, von der Ausstellung im Museum Rietberg unabhängige, Publikation erscheint im Oktober im Verlag Diaphanes.

Afrika Dada

D wie Dada Afrika

von Michaela Oberhofer Michaela Oberhofer, *1970, ist Kuratorin des Museum Rietberg für Afrika und Ozeanien und Ko-Kuratorin der Ausstellung Dada Afrika. gepostet am 18. April 2016

Die nachträglich in die Welt gesetzten Ursprungsmythen rund um den Begriff Dada sind allseits bekannt. So wird gesagt, Dada verweise auf das französische Wort «Steckenpferd». Das Spielerische von Dada wurde auch mit der kindlichen Sprachäusserung da da in Verbindung gebracht. In slawischen Sprachen bedeutet Dada «Ja, ja». Auch ein in Zürich beworbenes Haarwasser wurde immer wieder als möglicher Namensgeber ins Feld geführt.

Weniger bekannt ist, dass Tristan Tzara den Ursprung des Wortes Dada mit einer afrikanischen Sprache in Verbindung brachte. Im Kru, einer Sprache Liberias, habe Dada – so das Dada-Gründungsmitglied – die Bedeutung «Schwanz einer heiligen Kuh». Es gibt aber auch eine Dada genannte Orisha-Gottheit bei den Yoruba in Nigeria, von der sich Tzara beim fleissigen Lesen der ethnologischen Quellen in der Zürcher Zentralbibliothek hätte inspirieren lassen können. Letzteres würde auf die Sehnsucht der Dadaisten nach einer spirituellen, mystischen Erleuchtung – projiziert auf Afrikas Religionen – verweisen.

Abgesehen davon hat Dada für 80-Millionen Kisuaheli-Sprechende in Ostafrika eine andere Bedeutung, nämlich «Schwester» – was der männlich geprägten Dada-Bewegung dann noch eine ganz andere Wendung geben und die wenigen Dada-Künstlerinnen in den Vordergrund rücken würde.

Sowohl beim Blick in die Vergangenheit als auch in die Zukunft lohnt es sich also, auch auf die Stimme Afrikas zu hören. Deshalb sind die Worte von Tristan Tzara immer noch aktuell, der über den afrikanischen Kontinent meinte: „Diese neue Welt, die sich im Aufbruch befindet, wird ganz offensichtlich die Welt der Zukunft sein“.

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