Im Welttheater

Lokale Verwurzelung und globale Ausrichtung, Repräsentationen des Fremden und der Blick des heimischen Publikums, die Magie der Bühne und die Logik des Spektakels: Die vorliegende Zollfreilager-Spezialausgabe befasst sich mit Fragen des Aufführens und Vorführens in einer globalen Welt und nimmt dabei auch Geschichte und Gegenwart des Zürcher Theater Spektakels in den Blick. Beitragende sind Studierende und Dozierende des Master Kulturpublizistik, Stimmen aus der Theaterwissenschaft und postkolonialen Theorie sowie Gäste des Theater Spektakels. "Im Welttheater" ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater Spektakel. Die Spezialausgabe wird konzeptionell und redaktionell verantwortet von Eva Mackensen und den Kulturpublizistik-Studierenden Joana Schertenleib und Eva Wittwer. Zum erweiterten Redaktionsteam gehören Studierende, Dozierende und Ehemalige des Master Kulturpublizistik.

Lokale Verwurzelung und globale Ausrichtung, Repräsentationen des Fremden und der Blick des heimischen Publikums, die Magie der Bühne und die Logik des Spektakels: Die vorliegende Zollfreilager-Spezialausgabe befasst sich mit Fragen des Aufführens und Vorführens in einer globalen Welt und nimmt dabei auch Geschichte und Gegenwart des Zürcher Theater Spektakels in den Blick. Beitragende sind Studierende und Dozierende des Master Kulturpublizistik, Stimmen aus der Theaterwissenschaft und postkolonialen Theorie sowie Gäste des Theater Spektakels. "Im Welttheater" ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater Spektakel. Die Spezialausgabe wird konzeptionell und redaktionell verantwortet von Eva Mackensen und den Kulturpublizistik-Studierenden Joana Schertenleib und Eva Wittwer. Zum erweiterten Redaktionsteam gehören Studierende, Dozierende und Ehemalige des Master Kulturpublizistik.

Repräsentationen

Wer beschützt uns vor den Spassvögeln?

von Dominik Wolfinger gepostet am 30. August 2018

Kommt man ans Theater Spektakel, wird sofort klar: Hier wird es hell. Hier weitet sich der Blick. Nebst dem wunderschönen Panorama verunstaltet nichts den Blick, was sonst für Sicherheit, Durchgängigkeit, Kauffreude und Sauberkeit der Stadt sorgt. Selbst diejenigen, die sonst keinen Platz finden, dürfen endlich den Schaulustigen das Geld aus der Tasche ziehen. Die Landiwiese ist die Spielwiese für die Gaukler*innen und die manisch-depressiven Hütchentrickster, das Mekka der junggebliebenen Tarotkartenlegerinnen, der drögen Fahrradakrobaten und öden Statuen-Mimen, der Nistplatz der Spassvögel. Kurz: der Tummelplatz für das Gesindel, das sonst im öffentlichen Raum von Zürich weggewiesen werden würde, weil es dort nur schnorrt und stört.

Noch besser geht es hier den Clowns und Harlekins, wenn sie echtes Kulturniveau erreichen und auf die grosse Bühne dürfen. Beispielsweise die Bühne von «Eins Zwei Drei», auf der Martin Zimmermann den Weissclown, den dummen August und den Harlekin spazieren führt und ihnen dabei huldigt. Die scheinen so geschmeichelt zu sein und so viel Spass zu haben, dass sie gar nicht wissen, wann sie aufhören sollen. Auch gibt es einen Harlekin, der das Zeug hat, die kulturfernen Gaffer, die sich ins Publikum verirrt haben, eine feine Dosis Angst und Schrecken zu verabreichen.

Das fährt ein, und es regt sich ganz kurz die Frage: Wie sicher ist eigentlich das Theater Spektakel? Es gibt kaum Security, dafür massenhaft Clowns. Sicher handelt es sich um geprüfte Clowns mit Handelsregistereintrag (Killer im Clown-Gewand gehören in die USA, in die Fiktion von Stephen King oder der Batman-Filme). Denkbar ist aber auch, dass das Humorvolk als Teil des Sicherheitsdispositivs mit den Veranstaltern unter einer Decke steckt. Sollte in diesem Gedanken eine unbegründete Paranoia zum Ausdruck kommen, dann würde immer noch gelten: Paranoia hat schon viele Leben gerettet. Schützen wir uns also vor den Spassvögeln, indem wir die Augen offen, das Kleingeld bereit und den Kulturgeist wachhalten!

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