Gastspiel im Gastspiel

Vom 12. Juli bis am 9. November 2014 fand «Gastspiel. Schweizer Gegenwartskunst im Museum Rietberg» statt. Zollfreilager erhält die Gelegenheit, mit eigenen Zugängen, Positionsnahmen und Beobachtungen auf die Ausstellung, das Museum und seine Sammlung zu reagieren. Mitwirkende der bis November abgeschlossenen Spezialausgabe sind neben der Zollfreilager-Redaktion auch Damian Christinger (Kurator der Ausstellung), Peter Weber und Lukas Bärfuss (beide vertreten in der Ausstellung).

Vom 12. Juli bis am 9. November 2014 fand «Gastspiel. Schweizer Gegenwartskunst im Museum Rietberg» statt. Zollfreilager erhält die Gelegenheit, mit eigenen Zugängen, Positionsnahmen und Beobachtungen auf die Ausstellung, das Museum und seine Sammlung zu reagieren. Mitwirkende der bis November abgeschlossenen Spezialausgabe sind neben der Zollfreilager-Redaktion auch Damian Christinger (Kurator der Ausstellung), Peter Weber und Lukas Bärfuss (beide vertreten in der Ausstellung).

Haptisches Wissen

von Daniela Bär Daniela Bär, *1989, ist Kulturpublizistik-Absolventin und Zollfreilager-Mitgründerin. gepostet am 24. September 2014

...die Künstlerin Pipilotti Rist im Gespräch mit Gastspiel-Kurator Damian Christinger, und widerspricht damit den Eltern, die ihren Kindern vor Kunstwerken beibringen, dass man „nur mit den Augen schaut“. Die Aufforderung zum Sehen durch Berührung dürfte auch für die Museumsaufsicht, Objektwächter im Dienste der ehrfürchtigen Distanz, herausfordernd sein. Die museale Etikette wird mitunter sogar von Besuchern verteidigt: „Psssst!“, wird Pipilotti Rist von einer Besucherin ermahnt, als sie mit Katharina Epprecht, der Japan-Kuratorin des Museum Rietberg, durch die Sengai-Ausstellung spaziert und in die Kulturplatz-Kamera spricht. „Wieso muss man im Museum denn immer so still sein?“, fragt sie zurück, und erfährt: „Weil man sich hier konzentrieren muss.“

 „Was wir im Museum machen, ist eigentlich sehr künstlich. Wir stellen ein Objekt hinter Glas und beleuchten es”, meint Axel Langer, Persien-Kurator am Haus, im Gespräch mit Zollfreilager. Durch diese Art der Präsentation wird nicht nur der Gegenstand dekontextualisiert, sondern auch das Auge entkörpert, das Sehen durch die Finger im Sinne Pipilotti Rists verunmöglicht. Damit sie für Schädlinge uninteressant und für die anderen Sammlungsobjekte ungefährlich wurden, musste den Holzstämmen in Rists Installation Maske und Larve (Vater) vor der Ausstellung Sauerstoff entzogen werden: Was selbst einst Photosynthese ermöglichte, wird auf Materialität und optische Strahlkraft reduziert.

Wenn in den Ausstellungsräumen emotionale Erfahrungen möglich sind, die dem Taktilen, dem Sehen mit den Fingern, verwandt sind, ist es nicht einfach nur trotz, sondern vielleicht auch gerade wegen der Vitrinen und der inszenierten Entrückung. Schönheit ist im Rist’schen Sinne „ein Konzentrationsmoment“, auf dem sich das Hirn ausruhen will. „Ich hoffe, er beeinflusst mich so, dass ich in der Nacht träume, ich sei eine Japanerin. Im besten Fall hat das direkten Einfluss auf meine Arbeit“, erklärt die Künstlerin vor einem Sengai-Werk, und erinnert dabei an Antoine de Saint-Exupéry: „On ne voit bien qu'avec le cœur. L'essentiel est invisible pour les yeux.“

Quellen zum Text:

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