Im Welttheater

Lokale Verwurzelung und globale Ausrichtung, Repräsentationen des Fremden und der Blick des heimischen Publikums, die Magie der Bühne und die Logik des Spektakels: Die vorliegende Zollfreilager-Spezialausgabe befasst sich mit Fragen des Aufführens und Vorführens in einer globalen Welt und nimmt dabei auch Geschichte und Gegenwart des Zürcher Theater Spektakels in den Blick. Beitragende sind Studierende und Dozierende des Master Kulturpublizistik, Stimmen aus der Theaterwissenschaft und postkolonialen Theorie sowie Gäste des Theater Spektakels. "Im Welttheater" ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater Spektakel. Die Spezialausgabe wird konzeptionell und redaktionell verantwortet von Eva Mackensen und den Kulturpublizistik-Studierenden Joana Schertenleib und Eva Wittwer. Zum erweiterten Redaktionsteam gehören Studierende, Dozierende und Ehemalige des Master Kulturpublizistik.

Lokale Verwurzelung und globale Ausrichtung, Repräsentationen des Fremden und der Blick des heimischen Publikums, die Magie der Bühne und die Logik des Spektakels: Die vorliegende Zollfreilager-Spezialausgabe befasst sich mit Fragen des Aufführens und Vorführens in einer globalen Welt und nimmt dabei auch Geschichte und Gegenwart des Zürcher Theater Spektakels in den Blick. Beitragende sind Studierende und Dozierende des Master Kulturpublizistik, Stimmen aus der Theaterwissenschaft und postkolonialen Theorie sowie Gäste des Theater Spektakels. "Im Welttheater" ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater Spektakel. Die Spezialausgabe wird konzeptionell und redaktionell verantwortet von Eva Mackensen und den Kulturpublizistik-Studierenden Joana Schertenleib und Eva Wittwer. Zum erweiterten Redaktionsteam gehören Studierende, Dozierende und Ehemalige des Master Kulturpublizistik.

Repräsentationen

Talking on Water

von Ruedi Widmer Ruedi Widmer, geboren 1973 oder 1959, ist Satiriker oder Sarkast, Zeit- oder Gesellschaftsporträtist, Lehrer oder Volkspädagoge. Von ihm stammen Werke wie Benzin, Junge Schweizer Grafik oder Die letzten Geheimnisse einer rationalen Welt. gepostet am 19. August 2018

Gedanken zur welterzeugenden Macht von Sprache anlässlich eines Auftritts von Felwine Sarr im Diskursprogramm des Theater Spektakel auf der Seebühne

Felwine Sarr, Autor und Ökonom aus Senegal, sprach über das Problem einer Weltsicht (oder Episteme), die westlich, wissenschaftlich, instrumentell und rationell funktioniert. Einen Weltzugang, der ausbeuterisch und ökonomistisch vorgeht. Also einer Weltsicht und einem Weltzugang, der weltfremd ist. Er sprach uns aus dem Herzen.

Er sprach über das Archiv, das Kulturobjekte einsammelt und einsortiert, und dass dieses Archiv erschöpft und aufgebraucht sei. Sprach es an einem Rednerpult, die Bühne war Uni, die Sprache war unsere, diejenige der besorgten Weltbürger/innen. Der Afropolitanism (Achille Mbembe, der nicht kommen konnte, hat den Begriff geprägt) war ein rooted Cosmopolitanism (Anthony Kwame Appiah hat den Begriff geprägt).

In ebenso zurückhaltender wie eindringlicher Weise sprach Sarr vom Bedürfnis, anderen Weltsichten und Weltzugängen Raum zu geben. Wenn er den Blick auf den afrikanischen Kontinent warf, wurde klar: Ja: Das ist ein riesiger Kontinent, im Jahr 2100 werden 4 Milliarden Menschen dort leben. Und nein: Das ist das Gegenteil eines kulturell homogenen Territoriums. Vor allem, auch das macht Sarr klar, ist es ein in jedem Ausmass kreolisierter Kontinent (vgl. Die postkoloniale Bühne Im Welttheater).

Doch während der Redner seine Gedanken fasst, durchfliegt der Blick die Bühne, deren feintextile Verschalung Welten überblendet: der Sonntagabend-Segler wirft den Anker; die Standup-Paddler suchen das Ufer; die Sonne neigt sich über dem Albis; die Landiwiese quillt vom Sonntag-Erleben der Ausflügler über; der Moderator evoziert die Völkerschauen, die es hier früher gab (vgl. Die Möglichkeit einer Insel im Welttheater) – während all dies da ist, fragt sich der Zuhörer, ob es Afrika gibt? Dass man vielleicht von einem Afrotom, nicht einem Afrotop oder einer Afrotopia (wie Sarrs 2016 erschienenes Buch heisst, vgl. die ZollfreilagerZollfreilager, ein Internetmagazin der Plattform Kulturpublizistik der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), ist seit dem 7. Juli 2014 öffentlich. Zollfreilager wirft in journalistischen, reflektierenden und künstlerisch-experimentellen Formaten Schlaglichter auf Phänomene rundum Kultur, Kunst und Migration. Zu den Beitragenden gehören Studierende und Dozierende des Master Kulturpublizistik der ZHdK sowie ein Netz von Korrespondentinnen, Mittätern und Komplizinnen aus allen Kontinenten und Disziplinen. Spezialausgabe Dada Afrika) reden könnte?

Dann wäre Afrika, wie Wollishofen, im besten und schönsten Sinne überall und nirgends. Man könnte die vermutlich Tausend Dialekte, die auf der Landiwiese gerade jetzt gleichzeitig gesprochen werden, ins Ohr und in den Kopf holen, man würde kaum einen verstehen, man wäre überfordert, aber man wäre aber in der Welt. Nicht Talking on Water, sondern Talking on Ground.

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